Wir möchten Euch eine Idee vorstellen, die auch an anderen Orten nachgemacht werden kann. Pfarrerin Karin Kamrowski aus Paul-Gerhardt berichtet:

#AktionAmKitaZaun – #AndachtToGo

Wer hätte gedacht, dass Corona uns so lange im Würgegriff festhält?
Not zeigt sich bei Alten und Kranken und denen, die sie pflegen. Zunehmend leiden Menschen unter wirtschaftlicher Existenznot, sind Kinder und Jugendliche von Ängsten und Alpträumen geplagt. Unsere gesamte Lebenswelt verändert sich. In den Kirchen erzeugt ein kleines Virus große Kreativität vor allem in digitalen Räumen. Menschen, die dort nicht unterwegs sind, fühlen sich „abgehängt“ und mahnen uns, die Verbindung nicht abreißen zu lassen.
Die #AktionAmKitaZaun mag zunächst als ein hilfloser, naiver Kontaktversuch in der Krise erscheinen. Geboren aus der Not, die bekanntlich erfinderisch macht. Begonnen im Herbst 2020 hat sich die Aktion inzwischen etabliert. Gestartet sind wir damals mit Kastanien und Muscheln zum Thema „Suchen und Finden“. Über Plakate zum Tag der Kinderrechte und Sterne in der Advents- und Weihnachtszeit sind wir bei Herzen zur diesjährigen Jahreslosung angekommen („Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist“). Inzwischen beteiligen sich nicht nur Gemeinde und Kita, sondern auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder an der Aktion.
Zur Karwoche sollen die Herzen abgenommen werden. Dann wollen wir unten am Zaun Ostersteine auslegen. Passend zum Thema wird eine #AndachtToGo am Zaun aufgehängt, die im Vorübergehen gelesen werden kann und auch in der Materialkiste am Schaukasten ausliegt. – Ein Tropfen auf dem heißen Stein der Angebote in Präsenzform. Aber die Aktion schafft Verbundenheit, weil jede und jeder sich beteiligen kann. Häng‘ einen Stern, ein Herz dazu, leg einen Stein hin! Und wer weiß, was alles noch möglich ist…

Karin Kamrowski

#AktionOstersteine
Beteiligt Euch bei der Aktion am Zaun oder, wenn Ihr nicht in „Paul-Gerhardt“ wohnt, guckt Euch um, wo bei Euch so eine Aktion möglich wäre. Bemalt Steine und legt sie dort ab und erklärt: „Lege einen Stein dazu“ mit einem Aushang oder auf einem Schild.

Ihr könnt auch diesen Text ausdrucken:

„Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“, fragten voller Sorge die Frauen, die am Ostermorgen Jesu toten Körper salben wollten. In unseren bunten Ostersteinen drücken sich ähnliche Fragen aus:

  • Wo können wir Sorgen und Belastungen loswerden?
  • Wer hat ein Ohr für unsere Klagen?
  • Wo finden wir Lebendigkeit?
  • Wie bekommen wir Farbe ins Leben?

Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf … (Mt 27, 52)

In dem Moment, als die Todesqualen zu Ende sind, und Jesus stirbt, bersten die Steine auseinander, unter denen Tote begraben sind. So schildert die Bibel den Kreuzestod Jesu, und es wird überdeutlich: Kreuz und Auferstehung gehören zusammen. Wir können eins nicht ohne das andere denken.
Ob wir das glauben können?

Dass Gott alles Todbringende aufsprengen und von uns nehmen möchte? Dass auch unsere Verhärtungen aufgebrochen werden können? Die Gesichtszüge entspannt, der Gang weicher …

Ostersteine erzählen davon, wie auf hartem und kaltem Untergrund farbenfrohe Hoffnungszeichen sich Raum nehmen. Sie künden von Licht und Leben, von Auferstehung!

Lege einen Stein dazu!


Ihr könnt auch einen kleinen Predigttext dazu aufhängen:

Im vergangenen Jahr hatten sie ihren großen Auftritt: Die handbemalten Ostersteine! Überall lagen sie an Wegen und auf Plätzen als farbenfrohe Hoffnungszeichen! Sie erinnern an die Frage der Frauen aus dem Markus-Evangelium: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“
Trauer und Sorge lasteten tonnenschwer auf den Frauen, als sie den Leichnam Jesu salben wollten, genauso schwer wie der Stein, der ihnen den Weg zu ihrem Toten versperren würde. Ich stelle mir vor, dass sie still und gebeugt gingen. Nicht, weil das altorientalischen Trauerbräuchen entspräche, da wurde laut geweint und geklagt, vielmehr aus Angst, weil Jesus wie ein Verbrecher hingerichtet worden war. Die Frauen waren innerlich wie versteinert, gingen mit hochgezogenen Schultern, in einer starren Haltung, die vermeintlich Schutz bietet, aber stattdessen den Fluss des Lebens behindert.
Steine verbinden wir von jeher mit Trauer. Vor allem im Judentum ist es üblich, dass Zugehörige kleine Steine auf den Grabstein ihrer Verstorbenen legen. Sie pflegen damit das Andenken und möglicherweise wurzelt dieser Brauch in der antiken Bestattungskultur nahöstlicher Grabhöhlen, nämlich der Technik, Grabsteine mit kleineren Steinen zu verkeilen, um diese festzusetzen.
Steine sind aber auch Symbole der Buße. Sie stehen sinnbildlich für alles Schwere im Leben. Für Schuld, für Dinge, die wir bereuen. Was auf unseren Herzen lastet, wollen wir loswerden, um endlich wieder freier zu atmen. Heute ist es die Pandemie, die uns plagt. Corona belastet uns nicht nur, weil wir selbst fürchten zu erkranken, es macht uns auch Angst, dass wir andere anstecken könnten und uns dadurch schuldig machen.
Im Themenfeld von Schuld, Trauer und Tod haben bunte Farben eher keinen Platz. Was haben sie auf unseren Ostersteinen zu suchen? Und ist es nicht kitschig und naiv Steine anzumalen? Nein, meine ich, denn Ostern ist das Fest der Auferstehung, an dem wir aufgerichtet werden, von dem wir einen Wandel erwarten. Als die Frauen in der Ostergeschichte nach Matthäus zum Grab kommen, bebt die Erde. Ein Engel wälzt den Grabstein weg – und setzt sich mit dem Allerwertesten darauf. Gerade so, als wollte er sagen: „Da setze ich mich mit dem A… drauf!“ – Despektierlich, respektlos möchte man meinen. Aber der Engel spricht Gottes Sprache, empfiehlt sich mit einem „Fürchtet euch nicht!“ Dem Tod zum Trotz. Dem Leben auf der Spur.
Wenn das keine frohe Botschaft ist? Die Frauen haben sie verkündigt. Und ich lade Sie und euch ein, an unseren Zaun zu kommen. Legt auch einen Stein dort ab! Und verbindet euch so mit dem Evangelium: „ER ist auferstanden von den Toten!“ Und wir hoffentlich mit ihm!

Kategorien: Dies und das

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